| über die Historie auf dem FischerHaus Gelände... |
Von Daniela Lanzl
Der Ortskern Bodenwöhrs ist so gewachsen, wie es die jeweilige betriebliche Situation des im 18. und 19. Jahrhundert boomenden Werkes erforderte. Mit Hilfe von Heinrich Seltl junior und Architekt Georg Köppl ließ sich nachvollziehen, dass ein Großteil der heutigen luftigen Freifläche nur durch den Abriss der Bergkapelle, des 300 Jahre lang bestehenden geistlichen Zentrums der Gemeinde, im Jahr 1953 möglich wurde. Hier begann die Führung mit dem zunächst letzten Privatbesitzer des Werks Johann Schreyer (Hubert Süß) – dort, wo jetzt das Bushäuschen und der Info-Pavillon stehen.
Wie auch ihre Nachfolgerin war die Bergkapelle (neben dem "Feuerrost-Heiligen" Laurentius) der Heiligen Barbara geweiht – obwohl Baron von Wurmb (1695) drei andere Heilige aus seiner Heimat Ingolstadt mitgebracht hatte. Er sorgte dafür, dass die dort verehrten „3 Elenden Heiligen“ – „elend“ kommt vom keltischen Wort für „fremd“ – Einzug in Bodenwöhr hielten. Da aber niemand jemals etwas von Archäus, Ironeus und Quartanus gehört hatte, kannte sich bald niemand mehr aus. Es sollte aber bis 1860 dauern, bis dieses exotischen Heiligen „vertrieben“ wurden und die Kirche wieder ganz der Schutzpatronin der Bergleute – der Heiligen Barbara – gehörte. 1721 war die Kirche zum ersten Mal baufällig. 1775 gab es eine Orgel, 1793 ist davon die Rede, dass der hölzerne Turm drüber undicht und baufällig war. Das Werk boomte zu dieser Zeit. Daher musste immer mehr Platz für die Gläubigen geschaffen werden. Der neue Turm schaffte mehr Raum. Trotz weiterer An- und Neubauten im 19. und 20. Jahrhundert musste ein Großteil der Arbeiterschaft samt Familien draußen stehen, während innen nur 80 Personen der Messe beiwohnen konnten. Als sich die Verantwortlichen entschlossen, die Kirche abzureißen, fanden sich 8 Skelette, darunter die der Oberverweser Fuhrmann und Mittelmann, gestorben 1790 bzw. 1792, mit Resten von Kopfhaaren, in feiner Kleidung, mit Perücken und einem Schachthut. In liebevoller Detailarbeit waren zur Untermalung all dieser Dinge große Aluschilder mit alten Bildern und Erläuterungen bedruckt worden, denen die Teilnehmer auf der gesamten Führungsstrecke immer wieder begegneten.
Weiter ging die Zeitreise in die Zeit des spanischen Erbfolgekrieges – also ins 18. Jahrhundert. Oberverweser Ehehalt (Bernhard Birner) flüchtete mit der gefüllten Kasse des Hüttenwerks in die Wälder. In jener Zeit besetzten zuerst französische und später österreichische Truppen das Hüttenwerk als kriegswichtigen Betrieb. Nach langen Friedensverhandlungen kam schließlich der Kurfürst zurück. Auch Oberverweser Ehehalt kam wieder. Allerdings nicht freiwillig. Er wurde in Ketten abgeführt von einem Soldaten (Franz Singerer). Der Grund dafür war nicht der, dass er einen Arbeiter, der mehr Lohn wollte, die Stiege runter geschmissen hatte, sondern viel mehr die Tatsache, dass er den Bucher Stollen in acht Jahren nur zweimal inspiziert hatte. Zur Strafe musste er 14 Tage bei Wasser und Brot in seiner Amtsstube verbringen.
Im Hüttenwerk lief auch nicht alles nach Plan. 1693 misslang es, mit dem ersten richtigen Hochofen Schmiede-Eisen herzustellen. Fachleute und eine Hexe aus Plößberg waren ratlos. Spätestens 1755 wurde aus der Not und aus dem Munitionsbedarf vergangener Kriege eine Tugend gemacht und man spezialisierte sich eben auf Gusseisen, wenn es mit dem Schmieden schon nicht so klappen wollte. Damit begann dann auch der Aufstieg des Hüttenwerks Bodenwöhr. Die Gusstechniken in Bodenwöhr waren bald so weit entwickelt, dass selbst König Ludwigs Baumeister Leo von Klenze im 19. Jahrhundert hier prächtige Sachen anfertigen ließ, etwa vier Meter hohe Kandelaber, die das Tor des Staatstheaters zieren, oder die Geländer in der Münchener Residenz. Brunnen, Heiligengruppen, Grabmale und vieles mehr ließ der, der auf sich hielt, in Bodenwöhr gießen.
Die „Hüttenwerksrentner“ Heiner Seltl sen. und Alfred Spindler übernahmen die Führung auf dem Gelände der heutigen Firma Fischerhaus. Sie erzählten allerlei Geschichten aus den Tagen, als sie noch im Hüttenwerk gearbeitet hatten. Dabei wurden viele Erinnerungen wach. „Wenn man am Fenster des Direktors vorbei ging, musste man den Hut ziehen, sonst gab’s Ärger“, so die Aussage. Aufgrund ihres Wissens und mit Unterstützung der Bildtafeln erklärten sie akribisch, wo sich welches Gebäude befunden hatte.
Es gab auch zu ihrer Zeit noch ein Badehaus, das die Arbeiter nach der Schicht zum Baden nutzen durften. Am Samstag durften das – gegen eine Gebühr von 20 Pfennig – auch die Familien der Werksarbeiter. Einen Einblick gewährten Mia Süß und Elke Teichert, die darauf warteten, dass das Wasser endlich warm wurde. Dabei unterhielten sie sich über ihre Erlebnisse in der Zeit kurz nach dem Krieg.
Weitere historische Führungen in Blechhammer und Bodenwöhr werden am 22.08. und 19.09. (parallel zum Brauereifest) wieder jeweils um 14 Uhr (Blechhammer) und 16.30 Uhr (Bodenwöhr) angeboten.
Die Buchung einer Führung ist auch auf Anfrage möglich. (Tourismusbüro, Tel. 09434 / 90 22 73).
Weitere Infos:
http://www.eisenzeit.net
|
Über FischerHaus: Die FischerHaus GmbH & Co. KG mit Sitz im oberpfälzischen Bodenwöhr hat sich auf den Bau individueller und wertvoller Fertighäuser spezialisiert. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 1961 verbindet FischerHaus traditionelle Holzbaukunst mit moderner Technik und zukunftsweisenden Ideen, insbesondere im Bereich der Energieeffizienz. FischerHaus ist Mitglied im Bundesverband deutscher Fertigbau e. V. und in der Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau. Die Unternehmensführung liegt seit April 2006 in den Händen von Reinhard Fuchs und Barbara Fuchs. |
|