Hüttenwerk Historie in Bodenwöhr
Zwischen Mittelalter und Moderne: Eisenverhüttung in Bodenwöhr
1464: Nach wahrscheinlich einem Hussitenüberfall und wegen zu wenig Wasserdrucks in Weichselbrunn, dem Standort des Bodenwöhrer Urhammers, gründet Hans Kotz ein neues Hammerwerk an der heutigen Position der Firma FischerHaus, wo bereits im Hochmittelalter eine Mühle gestanden hatte. Er staut den Hammersee zu seiner heutigen Ausdehnung auf. Dem Pfalzgrafen muss er für das Hammerrecht an Walpurgis und Martini jeweils dreieinhalb Pfund Regensburger Pfennige zahlen. Dass sich Abt Albrecht vom Kloster Ensdorf wegen seiner überfluteten Schafweiden („ertränkte Wiesmat wg. Weyer“) aufregt, ficht Hans Kotz nicht an.
1670: Im 30-jährigen Krieg war der letzte Hammerbesitzer ums Leben gekommen (1632), die Anlage ist – bis auf die drei Weiher – verödet. Da kauft Johann Schreyer von Blumenthal vom Staat das eingezogene, verlassene Gut für gerade einmal 50 Gulden. Er baut auf dem Gelände binnen kürzester Zeit mit Hilfe böhmischer Fachleute ein neues, florierendes Hammerwerk.
1693: Kurfürst Max Emanuel braucht Eisen für Bauprojekte wie die Lustschlösser in Nymphenburg und Schleißheim. Und in Bodenwöhr, wo bis dato Eisenerz aus dem Amberger Raum verarbeitet wurde, finden Prospektoren reiche Eisenvorkommen in der Umgebung. Der Staat kauft von Schreyer das Werk zurück – für stolze 10.000 Gulden – und baut den ersten modernen Hochofen.
Im 18. Jahrhundert versuchen die Oberverweser (Generaldirektoren) des kurfürstlichen Hüttenwerks, durch technische Innovationen und durch Fortbildung der Mitarbeiter in anderen Werken ihren Betrieb zu optimieren. Hinderlich dabei sind sowohl viele kleine menschliche Schwächen – insgesamt wurden drei Hüttenwerks-Chefs suspendiert, also „unehrenhaft entlassen“ – als auch die drei großen Erbfolgekriege des 18. Jahrhunderts (der spanische, österreichische und bayerische). Ständig muss die Produktion auf Waffen und Munition umgestellt werden und ständig bedrohen österreichische Besatzer das Werk. Äußerst bekannt aus jener Zeit: Oberverweser Franz Adam Hofseß, der stets mit dem Gesetz in Konflikt war sowie die Gebrüder Arnold, die Mitte des Jahrhunderts das Hüttenwerk grundlegend erneuerten, den Weiherdamm auf das heutige Niveau brachten und die Ortschaft Blechhammer gründeten (heute Ortsteil der Gemeinde Bodenwöhr). Zum Renner auf dem Absatzmarkt entwickeln sich die gusseisernen Öfen aus Bodenwöhr mit kunstvoll gestalteten Reliefplatten. Schwunghaft in Betrieb kommt der Eisenerzabbau in jener Zeit.
Königliche Aufträge und gusseiserne Badewannen
19. Jahrhundert: Bayern wird Königreich von Napoleons Gnaden, das Hüttenwerk damit kgl. bayerisch. Der Bergbau in der Umgebung boomt. Ein neuer Hochofen nach Edinburgher Prinzip wächst in die Höhe. Bei Wackersdorf findet der Schneider Andreas Schuster Braunkohle. Sie käme wie gerufen, da das Holz der Wälder zur Neige geht. Es dauert aber, bis die neue Kohle benutzt werden kann. Das Hüttenwerk verstärkt die Produktion des Kunstgusses, führt neue Umschmelzverfahren und die Emaillierung ein. 1817 liefert Bodenwöhr Rohre für die Soleleitung von Berchtesgaden nach Reichenhall. Der neue Kupolofen sorgt für Gusseisen auch jenseits der Hochofen-Betriebszyklen und sichert mit der Sandformerei Bodenwöhrs Führungsposition bei der Gusseisenherstellung - und da kommt zeitlich passend die Dampfmaschine von England her! Aus Bodenwöhr stammen die 4 Kandelaber an der Fassade des neuen „kgl. Hof – und Nationaltheaters“, Guss-Spezialanfertigungen zieren in München diverse Prinzen-Palais, Isarbrücken, die Residenz und zu Eichstätt den Dom. Die Belegschaft wächst auf über 600 Mann. Da sorgen neue Technologien und Konkurrenz aus dem Ausland für das Ende des Erzabbaus und des Hochofenbetriebs. Es bleiben die Gießerei, die Emailliererei und die Hammerwerke. Die Belegschaft sinkt auf 140 Mann.
Im 20. Jahrhundert beginnt das Königreich Bayern, die Leistungen seiner Eisen produzierenden Werke zu koordinieren. 1910 zieht der elektrische Strom im Werk ein. Das Hüttenamt Bodenwöhr wird in die „Berg-, Hütten- und Salzwerke (BHS)“ des Finanzministeriums eingegliedert. Nach dem 1. Weltkrieg und der Wirtschaftskrise meldet Bodenwöhr bereits 1924 wieder Vollbeschäftigung (über 900 Arbeiter). Aus den BHS wird 1927 eine AG. Guss-Badewannen, Pumpen und Öfen sind die Klassiker des umfangreichen Produktionskataloges. Anfang der 30er Jahre sinkt die Zahl der Arbeiter auf 300. Nach ersten angenehmen Auswirkungen des Nazi-Regimes (Umsatzsteigerungen von 50 %) treffen Krieg und Mangel auch Bodenwöhr. Nach den chaotischen Verhältnissen erteilen die Amerikaner im August 1945 die Genehmigung zur Wiedereröffnung des Werkes. Die Folgezeit ändert den Kundengeschmack. Die Badewannen verlieren an Beliebtheit, auch die Öfen kommen aus der Mode. Das Hüttenwerk erhält durch die Begradigung des Sulzbaches und die Verlegung der ursprünglich für Arbeiterhäuser angelegten Sandfeldstraße die Möglichkeit für Erweiterungen. 1951 bis 1953 entstehen die neue Werkstätten- und Lagerhalle, 1954 die neue Gießerei. Feiert die Belegschaft 1964 stolz das 500-jährige Jubiläum des Hüttenwerkes, muss die altehrwürdige Anlage 1971 dennoch dem internationalen Konkurrenzdruck weichen. Die Firma FischerHaus, die seit 1961 hochwertigste Fertighäuser produziert, zieht ein und beschäftigt seitdem viele ehemalige Hüttenwerker bzw. deren Nachkommen.
Gußeiserne Badewannen aus dem 20. Jahrhundert - produziert im Hüttenwerk Bodenwöhr
Luftbild des Hüttenwerkes im Jahre 1964 zum 500-jährigen Jubiläum des Hüttenwerkes.
FischerHaus GmbH & Co. KG




